Der Mehrwert einer Steuer

Mögen Sie die Umsatzsteuer?

 

Ähm... Ich nicht. Warum? Steuern sind ja immer nur gut für die Eintreiber, Wegelagerer und Straßenräuber. Eine Steuer - das wussten schon die Bewohner der alten römischen Besatzungszonen der Antike - kam immer den Reichen zu, immer dem Kaiser in Rom, immer dem System.

Heute kassiert der Staat die mannigfaltigen Abgaben und zahlt damit die Staatsaufgaben. So auch jetzt in Zeiten von Corona. Heilige Corona, hilf! Ob die Pestheilige von einst davon träumte, dass wegen ihr einmal eine Steuer gesenkt wird? "Wegen mir? Die Römer senken ihre Steuern - wegen mir?" - wird sie sich verlegen fragen, und wir korrigieren: Nicht die Römer, nicht in Gallien! In Deutschland... Von 19% auf 16%. Die sog. "Mehrwertsteuer" - also eigentlich Umsatzsteuer... Aber beim Umsatz weiß man halt: Mist, das geht von meinem Umsatz ab! - Aber egal, wie wir den alten jüdischen Denar, den Gulden, Taler oder die D-Mark (ah, die guuuuuute alte Deutsche Mark) auch drehen und wenden, die Umsatzsteuer leert meinen Euronen-Geldbeutel so oder so, bzw. nimmt das silbern-gestanzte Blech gewaltig in die Schraubzwinge.

 

Dabei heißt sie ja eigentlich "Mehrwert"-Steuer. Mhm, so frage ich mich, welchen Mehrwert hat sie wohl? Bei Vollkornbrot weiß ich um den Nährwert, der zugleich ein Mehrwert ist. Aber bei der Umsatzsteuer, pardon: Mehrwertsteuer?

 

Die Antwort ist leicht gegeben: Sie hat mehr Wert für mich! Ja, tatsächlich, ich habe was davon! Klar doch! Der Mehrwert liegt darin, dass ich das Geld verwandelt wieder bekomme! Wie das? Nun, über Nacht zaubert der Staat (abrakadabra merkelifidibus) aus der Steuer sog. "Kredite" und "Zuschüsse" für die durch die Corona-Pandemie Geschädigten. Mein Geld und dein Geld - ja, das Geld ist von uns allen da (hat ja den viel gepriesenen Mehrwert!) - wird vom Staat großzügig verteilt. Und weil der Staat das alles so liebevoll verteilt (unsere italienischen Freunde es auch gerne ohne Zinsen bekommen möchten, weil ihr Staatshaushalt so marode ist und wie das Eis im Café einfach geschmolzen ist - ja, warum haben wir denn so gewirtschaftet?), sammelt er - also der Staat - es auch wieder ein. Also eigentlich bräuchte der Staat uns gar nichts zu geben, denn wir könnten ja unser Geld gleich selbst gut anlegen und das Defizit durch eigene Rücklagen ausgleichen. Aber... der Staat zahlt uns hier und da was ... und joooo... wie das so ist... will er es wieder zurückhaben. Weil der Staat aber ganz ganz viel Geld rauswirft, wird er bald die übrigen Steuern wieder erhöhen. Ganz still und leise, über Nacht... Stille Nacht, Mehrwert-Nacht. Nachtigal, ik' hör dir trapsen... oder so...

 

Wie kommt aber die Senkung der Umsatzsteuer, pardon: Mehrwert-Steuer zustande? Anders gefragt: Worin liegt der Mehrwert der Senkung?

Naja, damit kurbeln wir die eigene Wirtschaft an! 

Klingt komisch, ist aber so. Denn: Wie bei den "Streichpreisen" wird uns suggeriert, dass jetzt alles viel viel günstiger und billiger ist. Zum Beispiel Lebensmittel. Viel billiger! Technikartikel - viel billiger! Also, schlagen wir zu! Und je teurer das Ding X ist, das wir kaufen, um so mehr sparen wir! Wahnsinn! Echt jetzt? Klar! Ist doch logisch. Also kaufen wir uns einen neues TV-Gerät, obwohl das alte erst 1 Jahr alt ist. Weil wir 399,00 Euro sparen. Echt jetzt? Cool! Geiz ist geil! Dazu noch ein Nachlass vom Geschäft, dann sind wir schon bei 499,00 Euro, aber dafür zahlen wir ja auch nur 799,00 Euro. Prima!

 

Ganz unter uns: In Wirklichkeit kostet das Gerät in der Herstellung zwar nur 248,37 Euro, aber das weiß ja keiner. Und dass die Gewinn- und Handelsspanne noch dazu gerechnet wird (und höhö - nicht wenig, nein! Da wird kräftig drauf gehauen!), das vergessen auch ganz viele. Und weil wir so darauf fixiert sind, dass alles so schön billig wird, kaufen wir jetzt zwar kein Klopapier (haben wir ja noch ein paar 10er-Packungen), aber die Sachen, die wir sonst nicht brauchen.

 

Ist doch prima! Damit rollt der Rubel, der Taler fällt in das Ledersäckchen, und der Staat verdient - durch die Umsatzsteuer - für den Staatshaushalt auch wieder was, denn für den Staat hat die Steuer nämlich einen Mehrwert.

Und weil die Schulden des Staates durch Corona hoch sein werden, muss der Staat schauen, dass hier und da ein paar Steuern gaaaaaanz leicht erhöht werden. Also ich zahle das erhöhte Kindergeld (obwohl ich keine Kinder habe), die Kredite für Unternehmen (vor allem Lufthansa! und Mercedes - die sind alle ja echt so arm dran!) usw. Frage mich gerade, ob es nicht auch nett wäre, einen Dauersitzplatz im Flugzeug meiner Wahl zu haben ... denn: "Wir sind jetzt Lufthansa!"

 

Komisch... ich habe mit eigenen finanziellen Mitteln die Coronakrise bewältigt, auch in meiner Praxis. Keine Zuschüsse beantragt und gejammert. Genau! Sie sagen es! Selbst schuld! Was bin ich für ein Trottel!

Wo bitte haben Unternehmen eigentlich ihre Rücklagen versteckt? Ich rede jetzt nicht vom Pizzamann um die Ecke oder dem Friseur-Herbert bei mir in der Straße, sondern... von ... ähm.... sagen wir mal: Lufthansa, Mercedes, VW... und wie ist das eigentlich mit Amazon? Haben die auch Zuschüsse beantragt? Denn dann haben die ja auch was von der Mehr-Wert-Steuer. Ah... da zieht die Antwort aus der Lufthansa-Mercedes-Euro-Dämmerung von Wagner's Pizzafabrik herauf... man hat sie den Aktionären zugesagt... Mann! Wie konnte ich diese armen Typen vergessen! Die sind ja so arm... dran.

 

Ach ja, liebe heilige Corona, die Römer waren echt harmlos! In ganz Gallien gab es nur eine Steuer. In ganz Gallien? Nein, ein kleines Land... nördlich der Alpen... bei den Germanen hinter den sieben Bergen... und so weiter und so weiter... Nicht schon wieder! Aufhörn! Schluss! Abdrehen! Ausmachen!

 

(c) by Rainer M. Müller