Niveaulose Respektlosigkeit gepaart mit purer Machtbesessenheit

Einen solchen Wahlkampf gibt es bei uns nicht. Obwohl wir auch Politiker haben, die sich im Ton vergreifen, Unüberlegtes von sich geben. An die Qualität eines Trump oder Biden wird es jedoch so rasch nicht herankommen.

Doch die USA und seine Bewohner scheinen diesen Stil zu mögen. Immerhin: Die Zeitungen schreiben heute, die Zuschauer seien "genervt". Doch wie viele von den 10 Millionen geschätzten TV-Beobachtern haben insgeheim applaudiert?

Nein, die Art und Weise, wie hier Wahlkampf geführt wird ist niveaulos und zeugt von Macht bessesener Respektlosigkeit. Mir bereitet das große Sorgen, denn hier entwickeln sich moderne Diktatoren (siehe auch Belarus, Türkei, Ungarn, Polen usw.). Alle demokratisch gewählt - aber sind die Wahlen noch glaubwürdig?

Doch bleiben wir auf dem Boden. Wie respektlos gehen wir miteinander um? Wie niveauvoll ist unsere Kommunikation geworden? Ich möchte gar keine konkreten Beispiele nennen - derer gibt es genug, die Liste ist lang. Vielmehr ist die Frage: Wie sprechen wir miteinander, du und ich? Haben wir die Regel noch im Kopf, dass ein Miteinander-sprechen in erster Linie ein Zuhören-können bedeutet? Ich ertappe mich oft dabei, dass ich dem anderen unbedingt meine Kernüberzeugungen mitteilen möchte. Wirklich interessiert bin ich damit aber nicht an seinen Gefühlen, Gedanken, Einstellungen und Werten.

Echte Kommunikation beginnt mit einer Grundhaltung. Die ist weder hochnäßig, noch arogant, noch beleidigend ... sie ist offen, interessiert, erst einmal nicht wertend.

Wie sagte der emeritierte Papst Benedikt XVI. einmal: "Wer seinen Standpunkt kennt, kann gegenüber anderen tolerant sein." - Liegt es vielleicht daran, dass manche Menschen keinen Standpunkt haben und mit ihren Meinungen wie ein Fähnchen im Wind flattern? Und könnte es sein, dass sie bei jedem Windhauch Angst haben sich selbst zu verlieren?

Respekt kommt vom lateinischen Wort "respectio", was so viel bedeutet wie "ich schaue zurück" und hat mit dem Begriff "speculum" (Spiegel) zu tun. Respektlosigkeit hat also viel damit zu tun, dass ich nicht in den Spiegel schaue, wie beim Autofahren. Rücksichts-los (ohne zurückzuschauen) fahren nur jene, die respektlos sind, die also quasi nie in den Spiegel schauen. Respektvoller Umgang beginnt damit, dass wir es im Alltag so machen, wie in der ersten Fahrstunde: Wir stellen Rück- und Seitenspiegel ein, so dass wir unsere Umgebung gut im Blick haben. Dann erst losfahren.

 

(c) 2020 by Rainer M. Müller, www.erfuellterleben.com