Mutationen durch Kreativität

Unsere "Freundin" Corona (im Grunde hassen wir sie) ist kreativ geworden. Sie mutiert munter vor sich hin. Dieses Biest ist extrem kreativ! Neben einer britischen gibt es nun auch eine afrikanische Mutation und davon auch schon wieder neue "Kinder". Das wird auch noch nicht das Ende der Fahnenstange sein.

Im Stillen hege ich daher große Bewunderung und vor allem Respekt für die Forschenden in den unzähligen Laboratorien weltweit, die daran arbeiten, zu verstehen, was da passiert, wenn sie unter dem Mikroskop irgendein Fitzelchen ("Spike-Protein" nennt man das wohl ganz offiziell) von Lady Corona mit Zahlen betiteln, als handle es sich um ferne Galaxien mit Sternen und Kometen. Jedenfalls erkenne ich vieles davon wieder. Makro- und Mikrokosmos eben.

 

Die Frage, die sich mir mit jedem Tag aber stellt: Wie mutieren wir Menschen dabei? Verändern wir uns auch und suchen nach neuen Strategien? Als therapeutischer Coach spüre ich auch: Depressive Phasen, Aggressivität, psychische Belastung und familiäre Krisen, Einsamkeit und Angstgefühle - um nur einige Phänomene zu nennen - werden ebenfalls mit Corona transportiert. Das verändert uns Menschen. Ich spüre es auch. Resilienz und Resistenz ist da gefragt. Doch wie kann das geschehen?

 

Wir Menschen haben gelernt - über die Zeit und Geschichte hinweg - in unserer Kreativität zu mutieren. Kreativität ist der Ausdruck unserer Potentiale, die Welt zu verändern. Wir haben den atomaren Zellkern und seine Spaltung entdeckt. Damit können wir Energie erzeugen, aber auch Atombomben bauen. Wir haben die Navigationsysteme entwickelt und können den Feind im Kriegsfall genau orten, aber eben auch den Weg im PKW zu Tante Erna in Wuppertal finden - und das bei Nacht und Nebel, ohne im Auto wie wild eine alte Landkarte auf dem Beifahrersitz entfalten zu müssen. Wir haben so viele Dinge erschaffen und entwickelt - aber nicht nur wir, jetzt. Auch unsere Vorfahren, ob im alten Mesopotamien, Ägypten, im römischen Reich, in den Anden, im alten China (denken wir nur an das Eis oder an Papier!), in Australien - ganz egal wo auf diesem Planeten... Und natürlich hat auch das unglaublich "großartige", "fantastische" Amerika uns wahnsinnig viel Neues beschert, z.B. Google und Facebook und ... die Reisen zum Mond (waren wir wirklich da? Warum ging das in den 60ern und 70ern und heute nicht mehr mit Alufolie um die Raumkapsel? Naja - anderes Thema!) Wir reisen in das Universum und haben unsere ständige diplomatische Vertretung im Weltall (ISS), sogar (friedlich) international besetzt!

Doch jetzt ist es an der Zeit, dass wir mit all den digitalen Möglichkeiten uns selbst noch einmal neu entdecken und in der Kreativität des menschlichen Miteinanders mutieren. Das lateinische Wort "creare" wird übersetzt mit "schaffen", "zeugen" und "wählen". Um es aber besser zu verstehen sagen wir "erschaffen" und "erzeugen" und "erwählen". Das meint, dass wir aktiv werden, dass wir innovativ werden. Ausgangspunkt einer jeden Innovation ist die Idee, der Gedankenfunke, der Gedankenblick - also etwas, was mein inneres, geistiges Auge erkennt, was aber so noch nicht umgesetzt ist. "Idea" im Griechischen meint Erscheinung, Gestalt, Beschaffenheit, Art, Form und Urbild.

 

Welche Gestalt wird unsere Zukunft mit solchen Viren haben? Werden wir sie überhaupt noch einmal los? Welche Gestalt nimmt unser Miteinander an? Werden wir uns so entwickeln, wie es uns manche Science-Fiction-Filme schon längst suggerieren? Werden wir in einer Matrix-ähnlichen Welt leben, auf virtuellen Bildschirmen mitten im Zimmer in der Luft mit unseren Fingern malen und über alle Alexa's dieser Welt kommunzieren? Werden wir gläsern sein, und noch bevor ein Gedanke ausgesprochen ist, dass ich Durst verspüre, meldet der Kühlschrank schon, dass es keine frische Milch gibt? Weil... wir vielleicht einen Chip im Gehirn eingebaut haben, der sogar Krankheiten frühzeitig erkennt und Herrn Spahn meldet?

 

Die bildende Kunst heißt nicht umsonst so. Sie bildet. Wir sind kreativ, wir erschaffen. Wir stehen staunend und bewundernd, fragend und irritiert vor Kunstwerken und lassen uns hinterfragen. Zur Zeit erlebe ich Menschen mit viel Kreativität. Sie malen, schreiben, erstellen Podcast und Videos, spielen und nutzen die modernen Medien, um miteinander zu kommunizieren. Doch nichts von all dem kann die Kreativität so sehr zur Entfaltung bringen, wie in jenen Momenten, in denen wir Menschen einander real begegnen. Im Hamburger Hauptbahnhof hängen riesige Werbetafeln mit den Aufschriften: "Wir werden uns wieder umarmen!" Der Ausdruck höchster Kreativität ist die Begegnung zwischen Menschen, denn dazu sind wir geschaffen: Wo zwei Menschen begegnen, reift und heilt das ICH am DU (Martin Buber) und wir entwickeln uns.

 

Mutieren wir also ebenso! Suchen wir nach guten, neuen Wegen, wie wir dem Virus die Stirn bieten.

 

(c) 2021 by Rainer M. Müller, www.erfuellterleben.com