Alte Muster sind nervig!

Das Leben hat uns gut konditioniert. Auch die Erziehung. Natürlich auch unser eigenes Imitationsverhalten: Sobald wir als Kleinkinder die Welt zu begreifen lernen, schauen wir uns ab, wie andere Bewältigungsstrategien funktionieren, bekommen manche aufs Auge gedrückt (z.B. "Man geht nicht bei ROT über die Ampel" oder "Beim Essen hat das Handy nichts verloren!" usw.). 

Grundsätzlich ist das nicht verkehrt und hilft uns im Alltag bei unseren Routinen, damit wir nicht alle paar Minuten das Rad neu erfinden müssen. 

Aber Muster können eben auch hinderlich sein. Oft verhindern sie mehr und werden mit der Zeit zu einem ungünstigen Verhalten. Über Jahre wächst ein innerer Automatismus, entstanden aus Erfahrungen, die einmal sinnvoll waren, heute aber nicht mehr tragen. Da ist vielleicht die innere Stimme, die sagt: „Du musst es allen recht machen.“ oder: „Wenn du Nein sagst, wirst du abgelehnt.“


Solche Automatismen oder "Muster" in unserem Denken, Fühlen und Handeln (oft auch im Sprechen, wenn wir die gleichen Sprüche loslassen wie unsere Eltern), können nerven - vor allem, wenn sie sich mehr und mehr auf der Festplatte (unserem Gehirn) abspeichern und plötzlich verselbständigt unsere Freiheit im Handeln blockieren.

In der integrativen therapeutischen Arbeit schauen wir deshalb nicht zuerst auf das Verhalten, sondern auf den Sinn dahinter. Warum reagierst du so, wie du reagierst? Welche Erfahrung steckt darunter? Oft zeigt sich dabei ein jüngerer Anteil in dir – vielleicht ein Kind, das gelernt hat: „Ich werde nur gesehen, wenn ich leiste.“  oder: „Konflikte sind gefährlich, also ziehe ich mich lieber zurück.“

 

Ein Beispiel aus der Praxis: Eine Klientin kommt mit dem Gefühl, ständig unter Druck zu stehen. Im Gespräch wird deutlich, dass sie kaum Pausen zulässt und sich permanent antreibt. In einer gestalttherapeutischen Übung bekommt dieser antreibende Anteil eine eigene Stimme. Er sagt: „Wenn ich dich nicht antreibe, gehst du unter.“ Plötzlich wird klar: Dieser innere Antreiber ist kein Gegner, sondern ein Schutzmechanismus. Erst als dieser Anteil gewürdigt wird, entsteht Raum für Veränderung. Denn hier kann die Frage ansetzen: Wer setzt sie wirklich unter Druck? Wozu ist die bisherige Strategie gut?

Oder ein anderes Beispiel: Ein Mann vermeidet konsequent schwierige Gespräche – im Beruf wie in der Partnerschaft. In der Arbeit mit inneren Bildern zeigt sich ein früheres Erleben von Zurückweisung. Sein Rückzug ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Versuch, sich vor erneutem Schmerz zu schützen. In kleinen, sicheren Schritten lernt er, sich dennoch mitzuteilen – zunächst im geschützten Rahmen, später im Alltag.

Integrative Therapie verbindet dabei verschiedene Zugänge. Gesprächstherapie schafft einen Raum, in dem du dich verstanden fühlst. Gestalttherapie hilft, innere Anteile erlebbar zu machen. Traumatherapeutische Ansätze achten darauf, dass Veränderung nicht überfordert, sondern in deinem Tempo geschieht. Hypnotherapeutische Elemente können helfen, neue innere Bilder zu verankern. All das hat ein gemeinsames Ziel: nicht gegen deine Muster zu kämpfen, sondern sie zu verstehen – und dadurch neue Möglichkeiten zu entwickeln.

Veränderung bedeutet nicht, ein völlig anderer Mensch zu werden. Es bedeutet, freier zu werden in dem, was du tust bzw. schon in deinem Denken, denn alles Reden und Tun beginnt mit unseren Gedanken. Es geht darum, dass du wählen kannst, statt automatisch zu reagieren. Es geht darum, dass ein „Nein“ möglich wird, ohne Schuldgefühl - oder, dass du Pausen machen kannst, ohne inneren Druck. Dass du dich zeigen kannst, ohne Angst, nicht zu genügen.


Der erste Schritt ist oft der wichtigste: wahrzunehmen, dass es diese Muster gibt. Der zweite Schritt ist, ihnen mit Neugier statt mit Bewertung zu begegnen. Und genau hier beginnt der Weg.


Traumatherapie kann dir dabei helfen.
Wenn du Fragen hast – ich bin für dich da.

 

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