Die Antwort wohnt schon längst in dir!

Du liegst nachts wach und wälzt deine Gedanken hin und her. Du sprichst mit Freunden, suchst Rat im Internet, fragst sogar die KI, machst Pro-und-Contra-Listen und kommst trotzdem nicht weiter.

Du stehst vor einer Entscheidung und hast Angst, die falsche Wahl zu treffen.

Manchmal geht es um große Fragen: Soll ich die Beziehung weiterführen? Ist es nicht an der Zeit, den Job zu wechseln? Müsste ich nicht umziehen? Sollte ich vielleicht doch eine Ausbildung beginnen? Was wäre, wenn ich mich selbstständig mache?

 

Ich unterscheide gerne zwischen den "großen Fragen" und den "kleinen Fragen", die sich uns in den Weg stellen. Und so seltsam wie es klingt: Manchmal sind es vor allem die kleineren Entscheidungen, die uns überraschend viel Kraft kosten. Denn hinter jeder Entscheidung steht etwas Wertvolles, das wir verlieren könnten.

Viele Menschen glauben, Entscheidungen seien vor allem eine Frage des Verstandes. Man müsse nur genügend Informationen sammeln und dann die logisch beste Lösung finden. Doch so einfach ist es oft nicht. Wäre es so, gäbe es viel weniger schlaflose Nächte.

In meiner therapeutischen Arbeit erlebe ich immer wieder, dass Menschen meist nicht an fehlenden Informationen scheitern. Sie scheitern an inneren Konflikten. Es sind die inneren Anteile, alte "Stimmen", die sie zwischen den Stühlen sitzen lassen. Ein Teil möchte vorwärtsgehen, ein anderer Teil möchte Sicherheit. Ein Teil sehnt sich nach Freiheit, ein anderer nach Zugehörigkeit. Ein Teil möchte endlich „Ja“ sagen, während ein anderer laut „Nein“ ruft.

 

Eine Frau kam einmal in die Praxis, weil sie seit Monaten nicht wusste, ob sie eine neue Arbeitsstelle annehmen sollte. Der neue Job versprach bessere Bezahlung, mehr Verantwortung und interessante Aufgaben. Trotzdem konnte sie sich nicht entscheiden. Im Gespräch wurde deutlich, dass es gar nicht um den Job ging. Tief in ihr lebte die Angst, Erwartungen nicht erfüllen zu können und am Ende zu scheitern. Die eigentliche Entscheidung lautete nicht: „Nehme ich die Stelle an?“ Die eigentliche Frage war: „Darf ich mir selbst zutrauen, erfolgreich zu sein?“ und je tiefer wir uns in die Thematik wagten, um so klarer wurde: Da gab es etwas in ihr, das ihr nicht gestattete, glücklich zu sein, weil ihre Eltern es auch nicht waren. 

 

Ein Klient, Mitte 40, wiederum wusste längst, dass seine Beziehung ihn unglücklich machte. Dennoch blieb er. Nicht weil er die Antwort nicht kannte, sondern weil die Angst vor Einsamkeit größer war als die Unzufriedenheit in der Partnerschaft.


Oft tragen wir die Antwort bereits in uns. Das Problem ist nur, dass sie von Sorgen, Ängsten, alten Erfahrungen und den Erwartungen anderer überlagert wird. Dann hören wir zwar viele Stimmen, aber nicht mehr unsere eigene. In der Gestalttherapie schauen wir deshalb weniger auf die Frage: „Was ist objektiv richtig?“ Viel wichtiger ist die Frage: „Was ist für mich stimmig?“ Denn das Leben besteht selten aus perfekten Entscheidungen. Meist wählen wir zwischen mehreren Möglichkeiten, die jeweils Vor- und Nachteile haben.

Wer auf absolute Sicherheit wartet, wird häufig sehr lange warten. Entscheidungen bedeuten immer auch Unsicherheit. Niemand kann die Zukunft vollständig vorhersagen. Jede Entscheidung enthält ein Risiko. Aber auch jede Nicht-Entscheidung hat ihren Preis.

Manchmal hilft es, sich eine einfache Frage zu stellen: Wenn ich keine Angst hätte - wie würde ich mich entscheiden?

 

Natürlich verschwindet die Angst dadurch nicht. Aber oft wird sichtbar, was das Herz längst weiß. Eine weitere hilfreiche Frage lautet: Welche Entscheidung bringt mich dem Menschen näher, der ich sein möchte? Denn Entscheidungen formen nicht nur unseren Weg. Sie formen auch uns selbst. Manche Menschen hoffen darauf, dass plötzlich ein eindeutiges Zeichen kommt. Dass alles klar wird. Dass jede Unsicherheit verschwindet. Doch die Erfahrung zeigt: Häufig entsteht Klarheit erst, nachdem wir den ersten Schritt gegangen sind. Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Mut bedeutet, trotz der Angst in Bewegung zu kommen. Und manchmal besteht die wichtigste Entscheidung darin, sich selbst wieder mehr zu vertrauen. Dem eigenen Erleben. Der eigenen Wahrnehmung. Dem eigenen inneren Kompass.

 

Wenn du gerade vor einer wichtigen Entscheidung stehst, musst du nicht alles sofort wissen. Vielleicht genügt zunächst der nächste kleine Schritt. Denn oft zeigt sich der weitere Weg erst beim Gehen.

 

Traumatherapie kann dir dabei helfen.
Wenn du Fragen hast – ich bin für dich da.