Nicht so gemeint?
Du sagst etwas, das dir wichtig ist, und plötzlich ist die Stimmung angespannt. Dein Gegenüber fühlt sich angegriffen, zieht sich zurück oder reagiert verletzt. Dabei wolltest du eigentlich nur
ehrlich sein. Vielleicht hast du danach sogar gedacht: „Dann sage ich künftig lieber gar nichts mehr.“
Viele Menschen bewegen sich genau zwischen diesen beiden Polen. Entweder sie sprechen aus, was sie denken, und haben Angst, andere zu verletzen. Oder sie nehmen sich zurück, um Konflikte zu vermeiden, und verlieren dabei den Kontakt zu sich selbst. Beides hinterlässt oft ein ungutes Gefühl.
Authentische Kommunikation bedeutet nicht, alles ungefiltert auszusprechen, was gerade durch den Kopf geht. Ehrlichkeit allein reicht nicht aus. Wer seinem Partner sagt: „Du nervst mich gerade nur noch“, ist vielleicht ehrlich, aber nicht unbedingt hilfreich. Gleichzeitig führt ständiges Zurückhalten oft dazu, dass sich Frust und Enttäuschung aufstauen, bis sie irgendwann explosionsartig herausbrechen.
In der Therapie begegnen mir immer wieder Menschen, die gelernt haben, es allen recht zu machen. Sie sagen „Ja“, obwohl sie „Nein“ meinen. Sie schlucken Ärger herunter, vermeiden Auseinandersetzungen und versuchen, die Bedürfnisse anderer wichtiger zu nehmen als die eigenen. Nach außen wirken sie freundlich und angepasst. Innerlich fühlen sie sich jedoch oft erschöpft, übergangen oder unsichtbar.
Eine Klientin sagte einmal: „Ich weiß gar nicht mehr, was ich eigentlich selbst will. Ich bin ständig damit beschäftigt, darauf zu achten, was die anderen von mir erwarten.“ Ihre Schwierigkeit war nicht mangelnde Höflichkeit. Ihre Schwierigkeit war, sich selbst in Beziehungen nicht zu verlieren. Und dahinter steht ein Glaubenssatz, den viele kennen: Ich will es allen recht machen. Aber geht das?
Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die stolz darauf sind, immer „direkt“ zu sein. Doch manchmal verbirgt sich hinter dieser Direktheit weniger Klarheit als vielmehr ungefilterte Emotion. Wer seinen Ärger ungeprüft auf andere überträgt, ist nicht automatisch authentisch. Authentizität bedeutet nicht, jedes Gefühl sofort auszuleben. Sie bedeutet vielmehr, sich seiner Gefühle bewusst zu werden und Verantwortung für sie zu übernehmen.
Ein hilfreicher Unterschied besteht darin, ob wir in Vorwürfen oder in Selbstmitteilungen sprechen. „Du hörst mir nie zu!“ klingt anders als: „Ich
merke, dass ich mich gerade nicht verstanden fühle.“ Der Inhalt mag ähnlich sein, die Wirkung ist oft völlig verschieden. Manchen ist das zu "weich", sie haben dein Eindruck, ständig
Rücksicht nehmen zu müssen, weil der oder die andere zu "dünnhäutig" ist. Aber... wie geht es dir, wenn man dir direkt die Dinge nur so um die Ohren haut?
Meine Erfahrung ist mittlerweile: Menschen öffnen sich leichter, wenn sie sich nicht angegriffen fühlen. Das bedeutet nicht, Konflikte zu vermeiden. Im Gegenteil. Manchmal braucht es Mut, klar auszusprechen, was wichtig ist. Doch Klarheit und Wertschätzung schließen sich nicht aus. Viele Missverständnisse entstehen, weil wir glauben, andere müssten längst wissen, was wir brauchen. Doch niemand kann Gedanken lesen. Wer sich verständlich ausdrückt, schafft die Möglichkeit für echte Begegnung. Wer dagegen schweigt, hofft oft auf Verständnis, ohne dem anderen die Chance zu geben, überhaupt zu verstehen.
In der Gestalttherapie spielt der Kontakt zwischen Menschen eine zentrale Rolle. Dort geht es nicht darum, perfekte Sätze zu lernen. Es geht darum, sich selbst wahrzunehmen und dem anderen ehrlich zu begegnen. Was fühle ich gerade? Was brauche ich? Was möchte ich sagen? Und wie kann ich das ausdrücken, ohne den anderen abzuwerten?
Manchmal verändert bereits ein kleiner Satz eine ganze Unterhaltung. Statt „Du machst immer ...“ könnte es heißen: „Ich erlebe gerade ...“ Statt „Mit dir kann man nicht reden“ vielleicht: „Ich wünsche mir, dass wir uns besser verstehen.“
Authentische Kommunikation beginnt nicht beim Sprechen. Sie beginnt beim Kontakt zu sich selbst. Denn erst wenn ich weiß, was in mir vorgeht, kann ich es auch verständlich mitteilen. Und: Sie beginnt beim Zuhören. Echte Kommunikation ist vor allem ZUHÖREN.
Wer lernt, dem anderen wirklich zuzuhören und dann ehrlich und klar zu sprechen, ohne sich selbst oder andere abzuwerten, schafft die Grundlage für Beziehungen, die
von Respekt, Vertrauen und echter Begegnung geprägt sind.
Traumatherapie kann dir dabei helfen.
Wenn du Fragen hast – ich bin für dich da.
