Es gibt Menschen, bei denen du nach einem Gespräch plötzlich an dir selbst zweifelst. Vielleicht war es ein kritischer Kollege, eine dominante Führungskraft, ein
Familienmitglied oder der Partner.
Eigentlich war gar nichts Dramatisches passiert, und trotzdem gehst du mit einem unguten Gefühl nach Hause. Du fragst dich, ob du etwas falsch gemacht hast, ob du einfach mal wieder zu
empfindlich reagiert hast, oder ob du dich einfach mehr zusammenreißen müsstest.
Viele Menschen kennen solche Situationen. Auch ich springe noch heute auf bestimmte "väterliche" Typen an, die mich an jemanden erinnern, der mir nicht gut tat. Da reicht ein Wort, der Tonfall,
ein Blick, eine Geste - und zack du fährst den Aufzug in den Heimatfilm deiner Kindheit runter.
Manche Menschen schaffen es also immer wieder, uns zu verunsichern. Und unsere Reaktion? Wir beginnen uns anzupassen, erklären uns übermäßig, entschuldigen uns für Dinge, für die wir uns gar nicht entschuldigen müssten, oder schlucken unseren Ärger herunter.
Das eigentliche Problem ist dabei aber oft nicht die Begegnung selbst. Sie trifft auf etwas, das schon lange in uns angelegt ist. Vielleicht haben wir früh gelernt, es allen recht machen zu müssen. Vielleicht war Anerkennung an Leistung geknüpft. Vielleicht mussten wir als Kind besonders aufmerksam sein, um Konflikte zu vermeiden. Unser Nervensystem erinnert sich daran, oft schneller, als unser Verstand reagieren kann.
Carl Rogers schrieb einmal: „Das merkwürdige Paradox ist: Wenn ich mich so akzeptiere, wie ich bin, dann kann ich mich verändern.“ Genau dort
beginnt innere Stabilität. Nicht indem wir perfekt werden oder lernen, jedem Konter schlagfertig zu begegnen. Sondern indem wir unseren eigenen Wert nicht mehr davon abhängig machen, wie andere
gerade mit uns umgehen.
Stell dir zwei Bäume vor. Beide stehen im Sturm. Der eine hat flache Wurzeln und wird bei jedem stärkeren Wind hin- und hergerissen. Der andere bewegt sich
ebenfalls, doch seine tiefen Wurzeln geben ihm Halt. Der Sturm verschwindet nicht, aber der Baum bleibt stehen. So ähnlich verhält es sich mit unserem Selbstwert. Schwierige Menschen wird es
immer geben. Die entscheidende Frage ist, wie tief wir in uns selbst verwurzelt sind. Also lautet die Grundfrage: Wie gehen wir damit um, wie reagieren wir?
Fritz Perls, der Begründer der Gestalttherapie, formulierte es treffend: „Ich bin ich, und du bist du.“ Dieser Satz wird häufig missverstanden. Er bedeutet nicht Gleichgültigkeit oder Egoismus. Er erinnert vielmehr daran, dass wir nicht für die Gefühle, Erwartungen oder Bewertungen anderer Menschen verantwortlich sind. Wir dürfen bei uns bleiben, auch wenn unser Gegenüber unzufrieden ist.
Innere Stabilität zeigt sich oft in kleinen Momenten. Du musst nicht sofort antworten. Du darfst einen Atemzug nehmen. Zwischen Reiz und Reaktion ist DEIN Raum, der Raum, in dem du ausloten kannst, was für dich jetzt das Richtige ist. Du kannst spüren, wie deine Füße den Boden berühren. Du kannst dich innerlich fragen: Ist das wirklich meine Verantwortung? Oder: Spricht diese Kritik tatsächlich über mich oder über die andere Person? Schon diese kleine Unterbrechung verhindert häufig, dass alte Muster automatisch die Kontrolle übernehmen.
Das bedeutet nicht, dass dich Kritik nie wieder trifft oder dass verletzende Worte keine Wirkung mehr haben. Aber sie bestimmen nicht länger deinen Selbstwert. Du lernst, zwischen dem Verhalten anderer und deinem eigenen Wert zu unterscheiden. Das schenkt Freiheit.
Innere Stabilität entsteht nicht über Nacht. Sie wächst durch viele kleine Erfahrungen, in denen du dich selbst ernst nimmst, deine Grenzen wahrnimmst und freundlich mit dir umgehst. Mit der Zeit wirst du feststellen, dass Begegnungen, die dich früher tagelang beschäftigt haben, ihren Schrecken verlieren. Nicht weil die Menschen sich verändert haben – sondern weil du einen sicheren Ort in dir selbst gefunden hast.
Traumatherapie und Gestalttherapie können dir dabei helfen, alte Verletzungen zu verstehen, belastende Beziehungsmuster zu lösen und einen Selbstwert zu entwickeln, der auch in schwierigen Begegnungen trägt. Denn wirkliche Stärke beginnt dort, wo du dir selbst ein verlässlicher Begleiter wirst.
Traumatherapie kann dir dabei helfen.
Wenn du Fragen hast – ich bin für dich da.
